Mittwoch, 7. Januar 2015

SYDNYE – Teil 2

Wie viel das Feuerwerk kostete • Wo das Gedränge erträglich und die Sicht auf das Feuerwerk frei war • Was nach dem Feuerwerk passiert • Weshalb SYDNYE nicht (mehr) der Brüller ist. 

Geschätzte 1.6 Mio Zuschauer haben das Feuerwerk direkt mitverfolgt. Wenige Privilegierte schauten es sich von einer gut gelegenen privaten Terrasse oder Yacht an und setzten dann ihre Silvesterparty fort. Alle anderen zogen sich, wie im letzten Eintrag dargelegt, mit dem Wunsch, das Spektakel vor Ort zu sehen, unter Umständen ein ganzes Tagesprogramm "ins Boot".

Zu den 12 Minuten des eigentlichen Feuerwerks kann ich nur so viel sagen: Wow! Hier sind die Highlights (Youtube, 90 sec):


(Das 7.2-Mio-Dollar-Feuerwerk in der vollen Länge gibt's hier).

Nachdem wir am Vorabend noch etwas mit unserem Gastgeber gesprochen hatten, der uns dazu riet, nicht in Panik zu verfallen und uns nicht auf ein halbherziges Angebot zu stürzen (Stichwort Taronga-Zoo für $60), entschieden wir uns für den Observatory Point. Das ist ein erhöhter Park westlich der Brücke, mit einem wunderbaren Blick auf die Brücke und auf mehrere Arme des Hafens. Er ist nicht ganz so einfach zu erreichen wie der Botanic Garden, ist zwar auch Security Managed und alkoholfrei, öffnet aber erst um 12 Uhr mittags, hat Schatten, gute Aussicht für alle und füllt sich nicht so schnell. Mit Decke, Picknick, Lesestoff und Feldstecher bewaffnet, besetzten wir am Nachmittag ein Bänkli unter einem riesigen Baum. Das Ganze erinnerte stark and ein Open-Air-Konzert, wo man bereits nachmittags eintrudelt, aber eigentlich nur die Hauptgruppe am späten Abend sehen will.


Am Einlass zur wie beschrieben abgesperrten Zone wurden Tascheninhalte kontrolliert (no alcohol, no glass, etc.). Von Beginn weg hatte es relativ viel Sicherheitspersonal in gelben Westen, plus eine Gruppe Polizisten (drei Männer, eine Frau), die das überschaubare Gelände … äh … betreuten. Zwei Personen in orangen Westen sammelten laufend Abfall ein, auch wenn es davon nur wenig gab. Da der Park nach vorne abfällt, hatten alle eine ziemlich freie Sicht, und so entstand kaum Gerangel, was wiederum Langeweile für die Sicherheitskräfte bedeutete.

Um 18 Uhr das Air Display (Flugshow). Kurzum eine müde Sache. In der Schweiz hätte mindestens die Patrouille Suisse ihre Aufwartung gemacht, am SYDNYE waren es zwei Akroflieger mit Rauchschweif, die unspektakuläre und je länger je weniger koordinierte Kreise zogen.

Das Kinderfeuerwerk um 21 Uhr war bereits vielversprechend und das Hauptfeuerwerk, wie erwartet, ein Feuermeer am Himmel. Ein paar Effekte an der Ostseite der Brücke konnten wir nur erahnen, was aber das Erlebnis nicht schmälerte. Da die Zone alkoholfrei war, gab es um Mitternacht kein Korken-Knallen oder Gläser-Klirren, was ohnehin im Feuerwerksgewitter untergegangen wäre.

Klicke das Bild

Jubel, Applaus und Glückwünsche allerseits nach dem Schlussbouquet. Und kurz darauf ging überraschend— und wie im Kino — das Licht an.


Der Jubel verebbte, alle wandten sich zum Gehen und verliessen die Zone unter Betreung durch die Sicherheitskräfte. Ein mehr oder minder stummer Tatzelwurm trottete den signalisierten Korridor zur Innenstadt ab. Aus allen Gassen ergossen sich mehr Menschen in den Hauptstrom. Aber alles war unter Kontrolle. Ein paar Übermütige kletterten auf eine Absperrung und riefen "HAPPY NEW YEAR!"



Je mehr wir uns dem Martin Place näherten, umso mehr Polizei — zumeist zu Fuss, teilweise beritten — und Einsatzfahrzeuge säumten den Strom. Ein bedrohlich aussehender, schwarzer Geländewagen mit der Aufschrift "Riot Squad & Public Order" mit schwarz gekleideten Polizisten stand am Weg. Eine Million Leute zu Fuss in der Innenstand, ruhig, zu ruhig. Man hätte meinen können, die Australische Cricket-Nati habe in London gerade tragisch gegen England verloren, und die Leute seien auf dem Nachhauseweg vom Public Viewing. Ganz sicher konnte heute nicht Silvester sein!

Jeannine hattwe am Morgen noch die gute Idee gehabt, wir könnten doch eine Flasche Prosecco im Kühlschrank bereitstellen, aber ich machte den Gegenvorschlag, dass wir auf dem Heimweg in einem Pub aufs Neue Jahr anstossen. Doch offenbar war die ganze Innenstadt "trocken", die Restaurants, Bars und Bottle Shops waren um 00:45 bereits zu. Wir rieben uns die Augen und gingen am Ende ohne anzustossen ins Bett.

Was war passiert? — Nun, da muss ich etwas tiefer gehen. Australien ist erstens eine Insel, auf der es im Wesentlichen noch nie Krieg oder terroristische Aktionen gab, und auf der man — abgesehen von all den giftigen Tieren ;-) — ein sehr, sehr sicheres Leben lebt. Da sich Australien aber an vielen militärischen UN-Missionen beteiligt (zuletzt in Afghanistan), wähnt man sich dauernd als potentielle Zielscheibe von Islamisten. Die Regierung betreibt gern Panikmache, die Medien bauschen unbedeutende Zwischenfälle zu Ereignissen von nationaler Gefährdung auf. Beides verunsichert die Bevölkerung.

Zweitens wird Australien von einem Zwei-Parteien-System mit Oppositionspolitik reagiert. Wechselt die Regierungspartei, so werden oft als erstes Massnahmen der vorangehenden Regierung wieder neutralisiert oder sogar ins Gegenteil verkehrt. Die Regierungspartei ist ständigem Druck nach Handeln und Resultaten ausgesetzt, was, zusammen mit eher wenig nachhaltigen Denken, zu Schnellschüssen und Überreaktionen in politischen Entscheidungen führt.

Drittens gab es im Lindt-Café am Martin Place (siehe oben) kurz vor Weihnacht eine tragische Geiselnahme (Kurzfassung in Deutsch), die mit dem Tod von zwei Geiseln und dem Geiselnehmer endete. Sofort war von Terrorismus die Rede, die Nation war in Aufruhr, und der Premierminister versetzte das Land für die Feiertage in die höchste Alarmstufe ("code red"). Die Frage sei erlaubt, welche Alarmstufe ausgerufen würde, falls Nordkorea plötzlich zu einer Luftlandung ansetzte.

Viertens kam es in den vergangenen Jahren an Silvester mehrfach zu sogn. one-punch attacks, in denen jeweils ein Betrunkener in Rage geriet und von hinten einen Passanten anfiel. Letztes Jahr starb dabei eine Person. Das brachte das Fass zum überlaufen, die Bevölkerung verlangte Massnahmen, das Parlament von New South Wales setzte neue Gesetze in Kraft, die dann auch noch mit Übereifer umgesetzt wurden (siehe Security Managed Zone, oben). So dürfen Bars und Restaurants in Sydney z.B. nach 23:30 generell und nicht nur an Silvester keinen Alkohol mehr ausschenken. Die Politik sollte häufiger einfach die Polizei ihre Arbeit machen als sich von übers Ganze gesehen unbedeutenden Zwischenfällen zum Eingreifen verleiten zu lassen. Offenbar waren wenige Tage vor Silvester zusätzlich 3000 Polizisten zur Wahrung der Sicherheit des SYDNYE aufgeboten worden. Nochmals: in Australien lebt man sehr, sehr sicher.


Zusammenfassend wurde SYDNYE wenn nicht über-organisiert dann doch über-reguliert und -kontrolliert. Das Feuerwerk ist sehr sehenswert, zählt man aber den ganzen Rummel vorher und nachher dazu, dann lohnt es sich eher nicht. Ich will keineswegs sagen, dass man ohne Alkohol nicht lustig sein kann, aber hier wurde klar das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Lohnt es sich überhaupt noch, Sydney zu besuchen? — Ja, ohne Einschränkung, und besser 8 als nur 4 Tage!

Sonntag, 4. Januar 2015

SYDNYE – Teil 1

Wie Sydney sein Neujahrsfeuerwerk organisiert • Was eine "Security Managed Site" ist • Warum man eine Strategie für die Wahl des "richtigen" Aussichtspunkts braucht • Weshalb Leute bis zu $500 für einen guten Sicht bezahlen.

Während die Neuseeländer an Silvester (engl. New Years Eve, NYE) in Auckland jeweils als erste das Feuerwerk abbrennen, und auch Melbourne viel Geld in den Himmel feuert, so stiehlt das Feuerwerk in Sydney doch allen die Show. Kaum ein TV-Sender auf der Welt, der nicht über das Spektakel an der weltbekannten Harbour Bridge berichtet. Das mussten wir uns natürlich ansehen! Auf der einen Seite ist es zwar etwas verrückt, Sydney genau dann zu besuchen, wenn die Stadt so voll ist wie sonst nie im Jahr. Auf der anderen Seite passte das sehr gut in unseren allgemeinen Reiseplan, weil wir ohnehin in der Gegend waren, und weil wir wegen der Sommerferien auf den Campingplätzen im Umkreis von ein paar hundert Kilometern von Sydney auch täglich um einen guten Platz buhlen müssen.


Dank AirBnB fanden wir eine gute Woche vor dem grossen Event sogar noch ein gut gelegenes Zimmer zu einem vernünftigen Preis, doch Jeannine fand bald heraus, dass es damit nicht getan war: man kann nicht einfach, wie am Züri-Fäscht, ans Seeufer gehen und das Feuerwerk geniessen. Alle halbwegs guten Gelände (vantage points) — das Opernhaus, der Botanic Garden, die Circular Quay Promenade, der McMahons Point, etc.— werden von der Stadtverwaltung “Security Managed”.


Mit Erstaunen stellten wir am Montag und Dienstag fest, welch riesige Anstrengungen unternommen werden, um die erwarteten Menschenmassen zu lenken und die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Vor fünf Jahren hatte ich in Blog-Einträgen berichtet, welch herkulische Aufgabe die Vorbereitung des Formel-1-Autorennens in Melbourne ist. Nun, SYDNYE steht dem in nichts nach. Es ist der grosse Anlass im Jahreskalender der grössten australischen Stadt. Das beginnt mit dem Marketing und dem coolen Wortspiel um “Sydney” und “NYE” und hört nicht auf mit den “Inspire”-Flaggen, die überall in der Stadt wehen. Am Circular Key gibt es einen Info-Container nur zum Feuerwerk. Eine mehrseitige Infobroschüre wird gedruckt und verteilt.




Für das Smartphone steht eine Gratis-App zur Verfügung, die im Detail über die vantage points informiert (am Silvester sogar live, u.a. damit man seinen Mitternachts-Countdown synchronisieren kann). Buslinien werden umgeleitet, Hunderte zusätzliche Abfallkübel und Leuchtdisplays aufgestellt, Freiwillige rekrutiert, Polizei und Feuerwehr aufgeboten. Aber vor allem werden die Zuschauergelände rigoros abgesperrt und gesichert: innerhalb der Gelände wird jede Statue, jeder Grube und jeder Abhang mit Gittern umzäunt, damit sich nicht jemand den Fuss verrenke; von Generatoren versorgte Leuchten werden installiert, damit nicht ein Kind seine Eltern oder jemand seine Flip-Flops verliere. Verpflegungsstände werden eingerichtet; lange Zeilen an Festival-Toiletten aufgebaut, etc. — Notabene für einen Event von gut 10 Minuten Dauer.




Für den Silvesterabend gibt es ein veritables Programm (Auszug):

  • 18 Uhr: Air Display (Flugshow)
  • 19 Uhr: Löschboote demonstrieren im Hafen ihre Spritzen
  • 20 Uhr: Air Display
  • 21 Uhr: Kinderfeuerwerk von zwei Pontons im Hafen. Dauer: 6 Min.
  • 22:40 Uhr: kurzes Vorfeuerwerk. Dauer: 1 Min.
  • 24:00 Uhr: Das Grosse Feuerwerk von der Harbour Bridge und von mehreren Pontons im Hafen

Dass der Sydney Harbour nicht einfach ein Becken ist sondern ein vielgestaltiges Gebilde aus Wasserwegen und Buchten, vereinfacht die Angelegenheit nicht. Die Auswahl des eigenen Standorts wird zu einer komplexen Entscheidungsfindung. Zuerst muss man wissen, dass sich ein Teil des grossen Feuerwerks lediglich am östlichen Bogen der Harbour Bridge abspielt. Damit sind alle Aussichtspunkte westliche der Brücke schon mal etwas im Nachteil. Dann geht man, wie bereits angedeutet, nicht einfach in den, sagen wir, Botanic Garden, um sich das Feuerwerk anzuschauen, obwohl dieser riesig gross und der Eintritt auch am NYE gratis ist. Denn dort wurde ein offizielles NYE-Gelände designiert und mit Gittern abgeriegelt. Es fasst 16’000 Leute und wird an Silvester um 10:00 Uhr (morgens) geöffnet. Die besten Plätze sind rasch genommen, denn — und das hat ein botanischer Garten so an sich — Bäume behindern vielerorts die freie Sicht auf Opernhaus und Harbour Bridge. Mit dem Tropfenzähler werden die Eintritte registriert, und bei Erreichen der Kapazität wird die Pforte geschlossen. Wann ist dieser Zeitpunkt gekommen? — Man weiss es nicht im voraus, und die Smartphone App sagt bloss, “Will close soon”. Man steht also vor der Wahl, früh dort zu sein, den Tag als ein sehr langes Picknick zu organisieren und einen guten Punkt zu besetzen. Oder spät zu gehen, eine verdeckte Aussicht oder gar einen verweigerten Zutritt zu riskieren.

So hat sich ein neuer Geschäftszweig entwickelt: ausgewählte Orte (privat oder öffentlich) garantieren kostenpflichtig freie Sicht: die nördliche Landnase vor dem Opernhaus, die Fort-Denison-Insel, Ausflugsschiffe und Fähren, der Taronga-Zoo, etc. Was man für sein Geld kriegt, ist meist bescheiden, die Preise variieren von $25 bis $500, evt. mit einem Glas Champagner zum Anstossen, meist aber ohne Bankett oder dergleichen.


Natürlich muss man die günstigen oder die wirkliche guten Angebote Wochen im voraus buchen, was wir aber nicht getan hatten, weil wir eben keine Feinplanung für unsere Reiseroute machen (wollen). Sollten wir $60 für einen Aussicht vom Taronga-Zoo, der über 2 km östlich der Bridge liegt, zahlen? Sollten wir ab 9 Uhr vor der Pforte zum Macquarie Point auf deren Öffnung um 10 Uhr warten und dann den Rest des Tages — vielleicht sogar in der Sonne —ausharren? Sind Klappstühle (im Woolworths-Supermarkt für $10 erhältich) erlaubt? Lohnt sich der ganze Aufwand für ein bisschen Feuerwerk? — Niemand konnte uns die Entscheidung abnehmen. Inspire!


(Weiter zum Teil 2).

Freitag, 19. Dezember 2014

Gippsland, VIC

Wie man sich den besten Campingplatz für die Sommerferien unter den Nagel reisst • Was Melbourne und Gippsland verbindet • Weshalb die Great Ocean Road nicht das einzige Touristenziel im Süden Australiens ist • Warum Gippsland in ganz Australien bekannt ist.


Verlässt man das Zentrum von Melbourne, erreicht man — je nach Verkehr — in 10 Minuten die nahen Vororte. Die Agglomeration Melbourne hat gut 4 Mio. Einwohner, und entsprechend breit ist der Vorortsgürtel. Fährt man nach Osten oder Südosten aus der Stadt heraus, ist der Gürtel 30-40 km dick, weil der Grossteil der Bevölkerung in Einfamilienhäusern wohnt, was viel Fläche beansprucht. Fährt man in dieselbe Richtung weiter, ist man bald schon in der Region Gippsland, die ziemlich genau so gross ist wie die Schweiz und landschaftlich fast ebenso divers. (Der Vollständigkeit halber: der Staat Victoria, VIC, dessen Hauptstadt Melbourne ist und in dem Gippsland liegt, ist siebenmal so gross wie die Schweiz).


Gippsland grenzt im Norden an das High Country mit seinen riesigen Eukalyptus- und Föhrenwäldern, mit Bergen — wo im Winter sogar Ski gefahren wird —, mit Flüssen und (Stau-)Seen. Im Süden ist Gippsland begrenzt durch die Bass Strait, die raue Meerenge zwischen dem australischen Festland und Tasmanien. Dazwischen ist liegt vor allem Agrarland. Etwas Ackerbau, etwas Schafzucht, aber weitaus der grösste Teil ist Milchwirtschaft und Fleischzucht. So etwas wie das Emmental von Australien. Es ist vorwiegend hügeliges oder flaches Grasland, unterbrochen von Baum- und Buschhecken, durchsetzt mit Wäldern und Seen, besprenkelt mit Tausenden Farmen. Und dann gibt es auch noch einige Städchen und viele Dörfer. 

Wer findet die Kühe?


 Eine typische Farm (Bild anklicken für Vergrösserung). Links ist der Geräteschuppen; Stall gibt es keinen — die Kühe sind immer draussen.

Gippsland ist kein eigener Verwaltungsbezirk sondern überspannt gleich mehrere davon. Trotzdem leben hier nur eine Viertelmillion Menschen, was dem Ganzen eine natürliche Grosszügigkeit verleiht. Die wichtigeren Städte haben zwischen 10'000-20'000 Einwohner und sind vor allem Regionalzentren für die Landwirtschaft. Gippsland ist im Rest von Australien vor allem für seine Milchprodukte bekannt. Es gibt Buslinien und eine Bahnlinie, aber ohne Auto ist es hier ziemlich bitter. Gippsland ist kein klassisches Ziel für Australientouristen. Noch nicht, denn Gippsland ist ganz sicher unterbewertet, speziell jetzt in der Vorsaison. Die Küsten- und Fischerstädtchen haben zwar oft einen etwas verwelkten Charme, viele Lokalitäten sind geschlossen oder haben reduzierten Öffnungszeiten.

Haben aber erst einmal die Sommerferien über Weihnacht und Neujahr angefangen, dann ist das Gerangel um Unterkünfte in Meeresnähe garantiert, denn Melbourne ist im Sommer heiss und nur 1-4 Stunden Autofahrt entfernt. Bereits jetzt, drei Wochen vor den grossen Ferien, stellen gewisse Schlaumeier schon mal ihren Wohnwagen auf einen der kostenlosen Campingplätze, um den Top Spot auf sicher zu haben, wenn sie nach Weihnachten wieder anrücken.



Gippsland und Melbourne teilen eine interessante Eigenschaft: Während Melbourne nicht über die singulären Touristenattraktionen wie das Opernhaus, die Harbour-Bridge oder den Hafen von Sydney verfügt, so ist es trotzdem eine ebenso attraktive Destination, wenn man etwas Zeit mitbringt und die Stadt und ihre Umgebung für sich entdecken kann. Neben den viktorianischen Arkaden der Innenstadt, dem Botanischen Garten oder dem neu entwickelten Quartier, westlich des Zentrums, bietet Melbourne vor allem kulturelle Werte wie Märkte, Restaurants, Theater und Konzerte, Sportanlässe, etc. In gleicher Weise lockt auch Gippsland den Touristen nicht mit “big ticket”-Sehenswürdigkeiten vom Kaliber eines Ayers Rock oder einer Great Ocean Road, die man besuchen und abhaken kann. Auch für Gippsland muss man etwas Zeit und Neugier mitbringen.

Der Wilson’s Promontory Nationalpark und die Lagunen (“Lakes”, "Inlets") zwischen Lakes Entrance und Mallacoota werden vom zuständigen Touristenbüro aktiv und mit Erfolg vermarket. Mit dem Resultat, dass man in der Hauptsaison sowohl für den einzigen grossen Campingplatz in Wilson’s “Prom” sowie für fast alle Unterkünfte um Lakes Entrance Monate im voraus reservieren muss. Hier sollte man also generell, wie bereits erwähnt, in der Nebensaison einen Besuch abstatten. Aber der Railtrail von Bairnsdale nach Orbost (94 km) wird kaum je überlaufen sein, weil man auf der ehemaligen Bahnstrecke selbst mit dem Velo fahren muss — die Geleise und Schwellen wurden natürlich entfernt. Der Farmers Market in Koonwarra bleibt auch in der Hauptsaison eine persönliche Angelegenheit. Die Boardwalks des Common State Game Refuge in Sale bieten selbst während der Ferienzeit Ruhe und Möglichkeiten zur Vogelpirsch. Es gibt hunderte von Kilometern Strände, die nicht von Badenden eingenommen werden, weil man ein, zwei Kilometer zu Fuss gehen muss, um sie zu erreichen.  Die kleinen, ländlichen Städte haben allerhand Skurriles und Ulkiges zu bieten, wenn man nur genau hinschaut. Und auch die unzähligen ungeteerten Nebenstrassen durch herrliche Wälder kennen während der Sommerferien keinen Stau. Auf hunderten kürzeren und längeren beschilderten Rundwanderungen kann für sich neue Pflanzen und Tiere entdecken. Naturerlebnisse sind ganzjährig garantiert.




Swing Bridge (dreht um den mittleren Pfeiler) in Sale 



 Speargrass … piekst!


Es lohnt sich also durchaus, mit vier bis sechs Wochen Ferien im Gepäck in Melbourne zu landen, zwei Wochen Melbourne und Umgebung (Radius 100 km) zu erkunden, und dann statt in den Westen zur Great Ocean Road in den Osten zu reisen, um Gippsland bis zur Staatsgrenze zu New South Wales zu durchstreifen. 


Freitag, 28. November 2014

Gone Fishing

Wie man Risiko definiert • Weshalb die Schreckensnachrichten um Australiens giftige Tiere Panikmache sind • Warum diffuse Warnungen nichts nützen • Wie ein risikobewusstes Warnschild aussieht.

In der Schweiz wird Australien zuerst assoziiert mit Kängurus, Koalas, Outback, Sonne, Surfen, etc. Recht bald werden auch die giftigen Schlangen, Spinnen, die Haie und die Krokodile genannt. Eine Deutsche sagte mir kürzlich, sie würde Australien wegen all der gefählichen Tiere auf keinen Fall besuchen. Ein Fall von Hysterie? — Rational gesehen schon, denn Risiko ist ja bekanntlich die Verknüpfung vom anzunehmenden Schaden mit dessen Eintretenswahrscheinlicheit. Letztere darf aber nie am Einzelfall sondern muss statistisch über möglichst viele Fälle betrachtet werden. Doch werden Ängste häufig gerade auf Erzählungen von Bekannten oder auf Medienberichte abgestellt, die eben nur Einzelfälle sind.

Es überrascht deshalb nicht, dass "all diese tödlichen Tiere" gar kein hohes Risiko darstellen: die Todesursachen (siehe TABLE 4) in Australien für 2012 werden angeführt von Stürzen (1691 Opfer), unabsichtlichen Vergiftungen (1031) und Autounfällen (840); bald folgen Fussgängerunfälle (224) und Ertrinken (222). Die gefährlichen Tiere schaffen es nicht in die Liste der häufigsten unnatürlichen Todesursachen. Auch die Website von z.B. "Bob in Oz" gibt diesbezüglich Entwarnung.

Die Australischen Behörden kennen diese Statistiken natürlich auch, und entsprechend sind Warnungen vor bestimmten Tieren selten. In Queensland wird am Strand allerdings häufig vor den giftigen Quallen gewarnt, die dort saisonabhängig das Baden verunmöglichen. Und weil die Statistik bekannt ist, wird dafür z.B. auf Wanderwegen ausführlich gewarnt, wie ich schon 2011 festgehalten hatte.



Am Sonntag bot sich am Anfang des wunderbaren Coastal Walk in Kilcunda (oben) folgendes Bild:


Die Warnungen sind eher generisch: Gefährliche Strömungen, unerwartet grosse Wellen, rutschige Felsen, etc. Das sind eher diffuse Risiken, und ich frage mich, wie viel diese Schilder wirklich bringen, denn betroffen fühlt sich wohl fast niemand. Was aber auffiel, war das rechts im Hintergrund zu sehende Plakat mit dem vielsagenden und durchaus zweideutig gemeinten Titel «GONE FISHING»:

(Klicke auf das Bild)

In der oberen Bildhälfte ist ein Fels zu sehen um 13:57 Uhr, das Meer ist ein paar Meter weiter unten. Darauf ist etwas mit einem weissen Kreis hervorgehoben. Im unteren Teil des Bilds ist derselbe Fels eine Minute später zu sehen, wie er gerade von einer riesigen Welle überspült wird.

Schaut man sich den weissen Kreis im oberen Bereich genauer an, erkennt man … einen Fischer.


Hier wird ein sehr konkretes und hohes Risiko illustriert, was einen tatsächlich nachdenklich und vorsichtig stimmt. Da hat jemand ganze Arbeit geleistet! Und "GONE FISHING" ist nicht als "Ich bin fischen gegangen" zu verstehen sondern als "Beim Fischen gestorben". So wird die Statistik für 2014 hoffentlich weniger als 222 Tote durch Ertrinken ausweisen.

Freitag, 21. November 2014

Wie man einen Kontinent "erobert"

Warum wir am richtigen Ort sind • Was Rückkehrer als erstes essen • Weshalb wir nicht mit dem Velo reisen • Wie man die grobe Reiseroute festlegt sollte.

Das Englische hat eine prima Redewendung parat, wenn man vor einer grossen und komplexen Aufgabe steht:

«How do you eat an elephant?» — «One bite at a time.»

Am Montag Abend hat uns eine A380 nach unserem zweiwöchigen Erholungsurlaub in Neuseeland auf den australischen Kontinent gesetzt.


Der Container mit unserem Auto traf bereits ein paar Tage früher in Melbourne ein. Offensichtlich sind wir hier am richtigen Ort, denn es steht auf jedem Auto:


So versuchen wir uns nun an der Aufgabe, uns hier zu organisieren und die kommenden 11 Monate zu planen. Die Hausaufgaben haben wir in dem Sinn nicht gemacht, dass wir mit einer Reiseroute im Gepäck gelandet sind. Den Staat Victoria kennen wir von unserem Jahr in Melbourne in 2010 ziemlich gut. South Australia kennen wir ein wenig. Den Rest kennen wir kaum. Aber das soll sich ja jetzt ändern.

Doch wie nimmt man die "Eroberung" von Australien (zur Erinnerung: Aussie ist 185 Mal so gross wie die Schweiz) konkret in Angriff? — Wenn wir uns an die eingangs beschriebene Hilfestellung halten, dann  «One bite at a time». Auf Deutsch würde man dafür vermutlich sagen, «Schritt um Schritt». Dieses Mal hatten wir die Gelegenheit, ganz vorne zu beginnen:

Schritt 1 — Wohnadresse

Wir landeten in Melbourne um 21:05. Es war bereits dunkel. Auf der arrival declaration war erstmals unsere Wohnadresse gefragt. «Travelling» wäre wohl keine sehr geistreiche Angabe gewesen, es ist allerdings fraglich, ob der Immigrationsbeamte diese beanstandet hätte.


Am Flughafenausgang wurden wir von unseren Freunden David und Robyn erwartet. David hatte mir 2010 hier meinen Job gefunden, und die beiden hatten uns 2013 für zwei Wochen in Bern besucht. So hatten wir den Luxus eines "Taxis" direkt zu ihrem Haus.

Schritt 2 — Orientierung

Vom Fond des Autos aus konnte man nicht so viel erkennen, einiges kam uns dennoch bekannt vor. Von ihrem Haus wussten wir nur, dass es im Nordosten der riesigen Stadt liegt. Am nächsten Morgen waren alle bereits zur Arbeit gegangen, als wir in dem grossen Haus erwachten. Der Blick aus dem Fenster enthüllte nicht den erwarteten Weitblick.


Wo waren wir genau? David oder Robyn anrufen? — Erst einmal vor das Haus treten.


Aha, ein eher privilegiertes Quartier. Google Maps wusste dann bereits, wo wir uns befanden:


Schritt 3 — Essen und Trinken

Der Kühlschrank war wohl gefüllt, und von einem kräftigen Frühstück gestärkt machten wir uns auf die Suche nach dem nächsten Shopping Center. Dort war es auch, wo wir später unsere ersten hand rolls verzehrten: Reisrollen mit einem Kern aus Gemüse oder Fisch, zusammengehalten von einem aus Algen hergestellten Blatt. Dazu etwas Wasabi und Sojasauce. Köstlich. $2.60 das Stück.


Schritt 4 — Geld

Damit wir uns überhaupt etwas kaufen konnten, mussten wir zuerst eine ANZ-Bank finden. Unsere Bankkarten von 2009 funktionierten noch, aber wir werden nun trotzdem neue erhalten. Ohne Wohnadresse ging es aber nicht (siehe Schritt 1).

Schritt 5 — Kommunikation

Das Internet im grossen Haus hatte uns bereits auf die Sprünge geholfen, aber für 11 Monate lohnt sich die Anschaffung von neuen SIM-Karten und Mobile Internet. Hier ist der ehemals staatliche Provider Telstra die logische Wahl, wenn man auf Abdeckung schaut, und diese ist für uns vor allem wichtig. Es nützt nicht viel, die günstigsten Tarife zu haben, wenn man das Netz bereits kurz nach Melbourne hinter sich lässt. Auch hierzu war die Wohnadresse essentiell.

Schritt 6 — Transport

Selbst als längjährige Veloreisende müssen wir eingestehen, dass das Fahrrad nicht das Verkehrsmittel erster Wahl ist, wenn man Australien in einem Jahr flächendeckend erkunden will. Mit Kasbah verfügen wir — nicht ganz zufällig, muss man sagen — über ein äusserst geeignetes Transportmittel. Er kam bereits vor einer Woche hier an. Am Mittwoch holten wir ihn aus dem Container und warten nun darauf, dass er von der Quarantänebehörde inspiziert und freigegeben wird. Die Haftpflichtversicherung wird beim lokalen Strassenverkehrsamt gelöst, das Auto fährt aber mit Schweizer Nummernschildern. Natürlich wollten sie auch hier eine Wohnadresse.


Schritt 7 — Reiseroute

Während die Schweiz klein genug ist, dass man in ein paar Stunden von unten links nach oben rechts fahren kann, muss man sich in Australien wohl oder übel eine Reiseroute zurechtlegen, will man nicht mehrfach den Kontinent durchqueren (zur Erinnerung: Perth (unten links)– Cairns (oben rechts) = 6016 km).

In einem Land, das sich über mehrere Klimazonen erstreckt, ist die zeitlich-räumlich richtige Planung entscheidend. Im Outback ist es im Sommer bei Temperaturen bis gegen 50°C kaum auszuhalten und im Fall einer Panne schlicht zu gefährlich. Im Norden sind in der Regenzeit viele Strassen unpassierbar. Im Süden ist der Winter grauslich feucht, kalt und dunkel.

Und damit sind wir bei unserem aktuellen Planungsstand angelangt. Es ist die Aufgabe der nächsten Tage und Wochen, genauer abzuklären und im Gespräch mit den locals herauszuarbeiten, wann welches Gebiet am besten bereist wird. Im Range Rover Club kennen wir einige Mitglieder, die Australien bereits mehrfach rundherum bereist haben. Eine detaillierte Reiseroute werden wir im voraus aber nicht festlegen, sondern nur versuchen, zur richtigen Zeit im richtigen Teil Australiens zu reisen und uns dabei etwas treiben zu lassen und rollend zu planen. «One bite at a time» eben.

Samstag, 8. November 2014

Das Hausratfilter

Wie es kam, dass wir so viel Zeug besitzen • Warum der Schlaf wieder einmal zu kurz kam • Wie aus einer Viereinhalbzimmerwohnung mit grossem Keller zwei Reisetaschen werden • Weshalb Palettieren nicht per se die Lösung ist • Warum Stretchfolie die beste Erfindung war.

Die Aufgabe war so rasch definiert wie aufwändig zu realisieren: wir würden am 1. November mit nichts mehr als zwei Reisetaschen und etwas Handgepäck ins Flugzeug nach Australien steigen, während der ganze Rest unserer Besitztümer die Hardeggerstrasse 12 in Bern verlassen hatte. So galt es also, von gefühlten 500'000 Hausratgegenständen auf 500 zu kommen — ein ziemlich feiner Filter. Doch gehen wir der Reihe nach.

Als wir im vergangenen Juli den Entschluss fassten, unser Reisefahrzeug im September per Container vorauszuschicken und unsere Wohnung auf Ende Oktober zu kündigen, war klar, dass der ganze Hausrat eingestellt werden musste, und wir im Flugzeug folgen würden. Dass die Planung etwas forsch war, die Wohnung am 31. Oktober abzugeben und am 1. November abzufliegen, war ebenso klar. Irgendwie würde es schon zu schaffen sein … Mittlerweile sind wir einen halben Erdumfang weiter und haben uns erholt — so viel Planungsoptimismus musste natürlich wieder einmal mit Schlaf bezahlt werden. Aber um Projektmanagement soll es hier nicht gehen, sondern darum, wie man aus viel Zeug wenig macht.

Eine kleine Chronologie soll helfen, die Dimension des Unterfangens zu überblicken (Klick aufs Bild).

Die x-Achse zeigt fortschreitende Zeit, die y-Achse den Raum, den unser Zeug benötigte

Als wir 2008 aus unserer 2.5-Zimmerwohnung in die grosszügigen 4.5 Zimmer zogen (1), hatten wir 1 Tisch und 6 Stühle, 1 Bett, 1 Sofa, 1 Sessel, 1 Leinwand, 5 Regale, 1 Palme, 1 Auto, 1 Motorrad, 8 Velos und einen kleinen Keller. Kurze Zeit später (2) waren wir "stolze" Besitzer von 5 Tischen, 12 Stühlen, 3 Sesseln, 7 Regalen, 1 Gas-BBQ, sowie 1 Maxiwandschrank (5.5 x 2.7 x 0.6 m). Im Lauf der Jahre kamen 1 Werkbank, 1 grosses Auto, 1 Velo, 8 grosse Topfpflanzen, Lampen und weitere Anschaffungen hinzu (3). Die Wohnung machte vielleicht nicht den Eindruck von üppiger Möblierung, aber sie hatte sehr viel Stauraum. Der grosse Keller war Segen und Fluch zugleich.

Im Mai 2014 fassten wir den Entschluss, auf Reise zu gehen (4), was neue Ausrüstung erforderte (5). Als nächstes ging es darum, die rote Kurve wieder nach unten zu richten und Zeug abzubauen. Am 23. September schickten wir unseren Camper mit dem grössten Teil der Reiseausrüstung los (6). Danach ging es dem Rest an den Kragen: gemäss dem ersten Prinzip der nachhaltigen Stoffstöme — Verlängerung der Lebensdauer — organisierten wir einen garage sale (auch bekannt als yard sale oder Flohmärit) vor unserem Haus (7). Wir verkauften ein paar hundert CDs, viele Bücher, Kleider, Langlauf- und Kletterausrüstung, Geschirr, ein Velo, etc. Die Idee war für viele Passanten offenbar neu und zuerst etwas befremdlich, es ergaben sich dann aber lustige Kontakte.


Damit wir weniger Gegenstände einzulagern hatten, machten wir Freunden und Bekannten das Angebot, dass sie Möbel oder Geräte für ein bis zwei Jahre ausleihen und benutzen können. Gleichzeitig boten wir Gegenstände zum Kauf an (8). So fanden 2 Tische, 12 Stühle, 1 Sessel, 1 Gas-BBQ, 2 Lampen, 1 Spiegel, 1 Leinwand, 1 grosse Topfpflanze und 1 Rennvelo temporäre neue Besitzer, während 1 VW Sharan, 1 Mountain Bike, 1 Heimkino-Projektor, meine B&O-Anlage sowie zahlreiche grosse Pflanzen permanent die Hand wechselten.

Was sich am Flohmarkt, auf Ricardo und auch sonst als Ladenhüter entpuppte, landete bei der Heilsarmee im Bümpliz (10) oder auf dem städtischen Entsorgungshof (11).


Was nun noch übrig blieb, ging in ein Lager. Das war eine ausgewachsene Züglete, und da wurde uns vollends bewusst, wie viel Zeug wir besitzen: zu viel! Einige Regale, die wir gerne losgeworden wären, fanden keinen Abnehmer, waren aber auch zu schade fürs Recycling, und sind nun ebenfalls im Lager.



Der Lagerplatz ist 15 m2 gross, und wir konnten bis zu 3 m hoch stapeln. Da lag es nahe, möglichst viel in Kisten und Kartons zu verpacken und auf Paletten einzulagern.


Als unentbehrlich erwies sich dabei die Stretchfolie auf dem Handabroller: damit kann man rasch und einfach Gegenstände schützen oder mehrere Gegenstände zusammenkleben, egal ob klein (Streben, Tablare) oder gross (ganze Paletten).


Die Schwierigkeit beim Palettieren ist, dass man einige Paletten so stabil laden und oben eine plane Fläche schaffen muss, dass man darauf je ein weiteres Palett stapeln kann. Das gelang uns nur ungenügend. Ein nächstes Mal müssten wir noch konsequenter versuchen, alles in gleich grosse Kartons zu packen und für die sperrigen Gegenstände (z.B. Staubsauger, Lampen) mit Palettrahmen zu arbeiten. Zudem hatten wir zum Beladen des Lastwagens lediglich einen Handgabelwagen, sodass wir dort ohnehin nicht stapeln konnten. Der Effekt war, dass nicht alles auf den Lastwagen passte. Es wurde ein sehr langer Tag :-(

Im Lager hatten wir alsdann ein dreidimensionales Puzzle zu lösen, da wir kaum stapelbare Paletten hatten. Das Bild zeigt die Ausnahme. Am Ende passte "häb-chläb" alles auf die 15 m2.


Nachdem die Wohnung gereinigt und abgegeben war, musste das Putzmaterial und alles, was nicht mit auf die Reise kommen sollte, ebenfalls ins Lager einsortiert werden (12).


Mit zwei grossen Reisetaschen traten wir den Transfer nach Ozeanien an. Damit ist die Sache aber noch nicht ausgestanden: wenn wir unseren Hausrat dereinst mal wieder auslagern, ist das alte Ziel wieder das neue Ziel: Zeug filtern und loswerden! Die wirkungsvollste Massnahme scheint derzeit eine kleinere Wohnung zu sein.

Ironischerweise hatte SRF3 genau in unserer Zügelwoche eine Serie über Minimalismus. Ein "Minimalist" aus Zürich lebt konsequent mit nur 200 Gegenständen. Bevor er einen neuen kauft, wird er einen alten los. So geht das! Ich dachte jedesmal an ihn, wenn ich eine der 40 Kisten aufhob: allein in dieser Kiste würden sich vermutlich über 200 Gegenstände tummeln.