Freitag, 28. August 2015

Camp 119, Carpentaria Gulf, QLD

Wie die grauen Flecken von Australiens Landkarte verschwanden • Wie man eine Expedition nicht organisieren sollte • Warum Burke so viele Fehler machte • Wo die Aborigines hätten helfen können

So hatten sich Robert O’Hara Burke und William John Wills den Kulminationspunkt ihrer epischen Expedition nicht vorgestellt: am 11. Februar 1861 brachen sie zu zweit aus dem letzten Basiscamp “119” auf, um endlich ans Meer zu gelangen, von dem sie nur noch 34 km entfernt waren. Als Expeditionsleiter wollten sie zusammen diesen Triumph erleben, während ihre beiden Begleiter, John King und Charles Gray, im Camp zurückblieben. Burke und Wills hatten Verpflegung für drei Tage dabei, doch da sie während der Regenzeit im tropischen Norden unterwegs waren, erwies sich die verbleibende Strecke bis zum Meer trotz aller Anstrengungen als unpassierbar, und sie mussten umkehren.

Tagebucheintrag von Burke

King und Gray waren unterdessen nicht untätig geblieben: sie hatten 14 Bäume mit dem Expeditionsemblem markiert als Beweis, dass man den Golf erreicht hatte. Einige dieser Marker sind heute, 150 Jahre später, noch ansatzweise sichtbar.

2015: ein markierter Baum im Camp 119


Die Expedition war am 20. August 1860 mit 19 Mann, 24 Kamelen, Pferden und mit 20 Tonnen Versorgungsgütern in Melbourne gestartet. Sie wollte als erste eine Süd-Nord-Inland-Route durch den Australischen Kontinent an den Golf von Carpentaria — und zurück — finden. Das Landesinnere war zu diesem Zeitpunkt im Wesentlichen ein grauer Fleck auf der Karte, und es ging darum, neues Land für Farmen zu finden und wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen (bis dato unbekannte Pflanzen- und Tierarten zu dokumentieren, Aussagen zu Geografie und Wetter zu machen, etc.).

Route der Expedition, Camp 119 (hervorgehoben)

Aber die Expedition wurde zum Desaster: 8 Männer kamen ums Leben, darunter Burke, Wills und Gray. Und dies in einer Tragik, die kaum zu überbieten war. Es musste so kommen, denn die Expedition war von Anfang an von Fehlplanungen und Fehlentscheidungen geprägt. So verfügte der nominierte Expeditionsleiter, Robert O’Hara Burke, über keinerlei Expeditionserfahrung und war bekannt dafür, dass er sich selbst in seiner Heimatstadt oft verlaufen hatte. Die Ausrüstung war unzweckmässig, obwohl speziell dafür die Kamele und vier Kameltreiber aus Pakistan, Afghanistan und Indien importiert worden waren. Die Verpflegung war ungenügend, die Jahreszeiten falsch gewählt. Zudem war zeitgleich die  Konkurrenzexpedition von John McDouall Stuart unterwegs, durch die sich Burke zu übereiltem Vorgehen hinreissen liess: in der Hoffnung, schneller voranzukommen, liess er das Gros seiner Mannschaft am Cooper Creek zurück und brach zusammen mit Wills, King und Gray zum Golf von Carpentaria auf. In zwei Monaten wollten sie mit dem Triumph in der Tasche zurück sein.

Nach drei Monaten, am Morgen des 21. März 1861, war die zurück gebliebene Crew am Cooper Creek so ausgehungert und krank (u.a. Skorbut), dass sie entschied, den Rückzug anzutreten. Für den Fall, dass die Vierergruppe doch noch zurückkehrte, vergruben sie Vorräte und ritzten im nächstgelegenen Baum ein, wie diese zu finden waren: “DIG UNDER 3ft NW” ("Grabe 1 Meter Nordwest von hier").

Burke und Wills

Gray verstarb bereits auf dem Rückweg nach Cooper Creek. Die anderen drei schafften es am Nachmittag des 21. März 1861 ins ehemalige Lager — und verpassten ihre Mannschaft um nur gerade neun Stunden. Sie waren zu schwach, um das DIG-Rätsel zu lösen. Burke und Wills starben in der Nähe, King wurde von den Aborigines gefunden und aufgepäppelt. Er wurde am 15. September 1861 von einem Suchtrupp gefunden.

Das Unternehmen, seine Ziele und seine Tragik sind voller Ironie:
  • Weisse Explorer “entdeckten” Gebiete und Routen, die den Aborigines seit Tausenden von Jahren bereits bekannt und geläufig waren.
  • Burke, Wills und Gray verhungerten in einer Umgebung, die genügend Essbares hergegeben hätten (die Aborigines lebten dort)
  • Der weitaus grösste Teil an geografischen Informationen kam nicht direkt durch die Burke-und-Wills-Expedition zustande, sondern durch die Suchtrupps, die weite Gebiete durchstreiften, um die vermissten Entdecker zu finden. 

 Australien 1842 (schwarze Flächen: unerforscht)

Australien 1862

Alles zur beschriebenen Expedition findet sich im Burke-and-Wills-Archiv; die Site zeigt viele historische Bilder, mehrere lesenswerte kurze eBooks sind unter Downloads zu finden.

Freitag, 14. August 2015

Wenn der Road Train naht, Tanami Desert, NT

Wo Bill Bryson wieder einmal den Nagel auf den Kopf traf • Weshalb Road Trains trotzdem bremsen • Mit welcher Strategie man einen Road Train auf Schotterstrassen kreuzt • Wie man einen Road Train über Funk kontaktiert.

Unser alter Bekannter Bill Bryson hat zwar manchmal einen Hang zur Übertreibung, doch seine Beschreibung der Begegnung mit einem entgegenkommenden Road Train enthält alle kritischen Elemente (Hörbuch):
«To meet a barreling road train coming at you at full throttle on a two-lane highway on which it desires all of its lane and some of yours is a reliably invigorating experience – an explosive "whoomp" as you hit its displaced air, followed at once by a consequent lurch onto the shoulder, several moments of hypermanic axle action sufficient to loosen dental fillings…., an enveloping shroud of gritty red dust… and savage thumps of flying rocks, some involuntary oral emissions on your part as the dust clears and you spy a large boulder dead ahead…»

Viele Mythen kursieren um die Road Trains: sie brauchen einen Kilometer um anzuhalten; sie weichen nicht aus; sie verlangsamen zum Kreuzen nicht; etc. Ganz falsch ist sicher die erste Aussage: Road Trains halten zwar nur an wenn nötig, bremsen aber in etwa so schnell wie sonst ein schwerer Lastwagen. Und höchstwahrscheinlich haben rücksichtslose truckies (Fahrer) auch schon den Fuss nicht vom Gas genommen oder den Gegenverkehr in den Strassengraben gezwungen. Aber im Zeitalter von dash cams (kleine Videokameras, die hinter der Windschutzscheibe montiert werden und während der Fahrt dauernd den Verkehr aufzeichnen), können sich Road Trains solches Verhalten nicht mehr leisten.

Trotzdem: auf Schotterstrassen lohnt es sich, dem nahenden Road Train den totalen Vortritt zu überlassen.

Nicht ungewöhnliche Begegnung auf der Tanami Desert Road (Video)

Dazu ist man mehrfach motiviert:
  • der aufgewirbelte Staub verdeckt die Sicht auf Hindernisse (Steine, Löcher, Pfosten, tote Kängurus, etc.)
  • der Motor atmet nicht gerne Staub
  • aufgeschleuderte Steine können die Sicht permanent behindern, wenn die Windschutzscheibe besonders hart oder unglücklich getroffen wird
So ist die beste Strategie, die nächste Ausweichmöglichkeit neben der Piste auszuspähen, sobald in der Ferne eine grosse, rote Staubwolke naht. Die Ausweichmöglichkeit liegt mit Vorteil auf der dem Wind zugewandten Seite, auch wenn diese rechts der Piste (Linksverkehr!) liegt, weil man dort weniger eingestaubt wird. Die truckies kennen diesen "Trick" und weichen entsprechend aus.

Es ist eine gute Idee, den Motor vor dem Vorbeiziehen der Staubwolke abzustellen, denn meist muss man ohnehin 1-2 Minuten warten, bevor die Sicht wieder frei ist. Zudem ist es nicht ungewöhnlich, dass dem ersten Road Train in gewissem Abstand ein zweiter oder sogar ein dritter folgt, denn oft werden viele Rinder, mehrere Baumaschinen oder viele Tonnen Erz aufs Mal überführt.


Entlang von Strecken, auf denen z.B. Minen bedient werden, gibt es oft einen signalisierten Funkkanal für den Strassenverkehr, sonst ist es Kanal 40. So ist es möglich — und durchaus erlaubt —, einen nahenden oder eben vorbeigezogenen Road Train anzufunken, z.B. um zu fragen, ob noch weitere Trains folgen. Aber wie spricht man einen Road Train an? Ganz einfach:

«Hello white "Gilbert's" road train, southbound, are you on this channel? Over.» 

Nach einer positiven Rückmeldung identifiziert man sich selbst und bringt sein Anliegen vor. Das Gespräch wir beendet mit etwas in dieser Art:

«Have a safe trip, mate. Over and out.»

Freitag, 7. August 2015

Das Kleinbeuteltiersterben, Kimberley, WA

Warum das traditionelle fire management Arten schützt • Wie sich die Hauskatze im Outback etablierte und kaum auszurotten sein wird •  Mit welcher Methode das Kleintiersterben ergründet wird • Wozu Dingos nützlich sind.

Dass Australien grosse Probleme mit eingeführten Tier- und Pflanzenarten hat, ist kein neues Phänomen. Bereits in den 1840er-Jahren wurde im Northern Territory eine Farm mit aus Asien eingeführten Wasserbüffeln aufgegeben. Die Tiere entliess man in die Wildnis, wo es ihnen gefiel — sie vermehrten sich auf 300’000, und zerstörten in der Folge die wertvollen Schwemmebenen. Karpfen verderben im Murray River den anderen Fischen das Wasser, Rotfüchse rotten im Süden einheimische kleine Beutetiere aus. Oft setzt die Natur Barrieren — den Füchsen ist es in den nördlicheren Breiten zu heiss —, oft aber auch nicht. Seit Jahrzehnten kämpft man gegen wilde (engl. feral) Kamele, Esel, Pferde, Ziegen, Schweine und mehr.

Wasserbüffelbulle

Trotzdem haben in den letzten 20 Jahren auch im Norden die Populationen der kleinen Beuteltiere (Beutelratte, Quoll, Bandicoot, etc.) stark abgenommen. Die Zahlen der letzten 10 Jahre sind alarmierend: viele Arten sind akut vom Aussterben bedroht. Während in QLD und NT die eingeführte, giftige Cane Toad (Aga-Kröte) verantwortlich gemacht wird, war die Ursache im Kimberley (WA) unklar, denn die Cane Toad ist dort noch nicht angekommen. Die Vermutung war, dass ein weiteres eingeschlepptes und verwildertes Tier sein Unwesen treibt, jedoch eines, das kaum sichtbar ist, weil es vorwiegend nachts jagt: die Hauskatze (felix catus). Man schätzt, dass in Australien zwischen 5 und 18 Mio wilde Hauskatzen (feral cats) täglich (!) bis zu 75 Mio Kleintiere inkl. Vögel erlegen. Sie haben sich bestens an Wälder und Savanne adaptiert und sind extrem gute Jäger. Darauf sind die endemischen Arten nicht vorbereitet. Man versucht seit langem, die Katzen zu dezimieren, doch ist das sehr schwierig: Fallen-Stellen oder Abschiessen ist zu aufwändig, und während Füchse auf vergiftete Köder hereinfallen, fressen Katzen praktisch nur selbst erlegte Tiere.

Quoll (Quelle: Wikipedia)

Die im Kimberley vom Aussterben bedrohten Arten (30-2000 g schwer) fallen genau in das Beuteschema der Katzen. Dingos machen vorwiegend Beute von 1-2 kg (Wallabies, kleine Kängurus, Echsen, etc), Füchse und Cane Toads kommen, wie erwähnt, nicht vor. Und: auf Inseln, wo es keine Katzen gibt, leiden die bedrohten Arten nicht an Mitgliederschwund. Die Indizienlage gegen die wilden Hauskatzen ist also erdrückend, aber der Beweis fehlte.

Fotofalle (Quelle: australianwildlife.org)

Diese Verdächtigung hat nur einen Haken: wilde Hauskatzen — der Einfachheit halber nenne ich sie im Folgenden nur noch “Katzen” — gibt es im Kimberley bereits seit über 100 Jahren. Weshalb also wurde das Kleinbeuteltiersterben in den letzten 10-20 Jahren so akut? Eine wissenschaftliche Untersuchung sollte Licht ins Dunkel bringen und aufzeigen, wie man die bedrohten Tierarten retten kann. Im Mornington Wilderness Sanctuary hatten wir an einer der abendlichen Open-Air-Präsentationen die einmalige Gelegenheit, uns von Hugh McGregor die Details der Arbeit erklären zu lassen. Hugh, mittlerweile Dr. Hugh, hat vor 6 Jahren die Untersuchung des Verhaltens von feral cats mit seiner Doktorarbeit begonnen, und mittlerweile mehrere wissenschaftliche Publikationen dazu verfasst. Sein Vortrag war faszinierend, denn niemand hätte vor 6 Jahren gedacht, wie komplex die Untersuchung werden würde.

Ich versuche im Folgenden, nur die Eckpunkte von Hughs Arbeit darzustellen (wer sich für die Details interessiert, dem sei “Landscape Management of Fire and Grazing Regimes Alters the Fine-Scale Habitat Utilisation by Feral Cats”, McGregor et al.,  als Einstieg empfohlen), und gebe jetzt schon Entwarnung: es braucht keinen akademischen Grad, um das Vorgehen zu verstehen.

Hugh hatte die Beobachtung gemacht, dass die bedrohten Tierarten in steinigem oder felsigem Gelände viel weniger stark dezimiert waren als dort, wo die Vegetation, die ihnen Deckungen bietet, geschädigt ist. Er postulierte die folgende Hypothese: Katzen wählen ihr Territorium danach aus, wo ihr Jagderfolg am grössten ist, und passen ihre Jagdgründe dynamisch an, wenn sich andernorts bessere Beutechancen einstellen. Konkret: dort, wo grosse Pflanzenfresser (Kühe, Pferde, Büffel) die schützende Vegetation fressen oder zertrampeln, oder dort, wo Feuer die Deckung zerstört hat. (Aus dem vorletzten Blogeintrag wissen wir, dass nur intensive, grosse Feuer die Deckung der kleinen Tiere zerstören, während schwache, lokal begrenzte Feuer (patch burns), wie sie die Aborigines legen, Ausweichmöglichkeiten lassen.)

Kühe in der Nähe des Mornington Sanctuary

Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet stets, nach einer zuvor festgelegten Methode vorzugehen, messbare, nachvollziehbare Resultate zu erarbeiten und damit eine oder mehrere Hypothesen zweifelsfrei zu belegen. Hugh musste nun den Beweis für seine Hypothese erbringen. Sein Ansatz war, die Bewegungen der Katzen in einem Gebiet aufzuzeichnen und durch ein mathematisch-statistisches Verhaltensmodell abzubilden, wenn auf ausgewählten Parzellen die folgenden Parameter variiert werden:
  • Präsenz (resp. Absenz) von Kühen
  • intensive, grosse (resp. schwache, begrenzte) Feuer
In den relevanten Parzellen wurden die Bestände der bedrohten Tierarten periodisch mittels Käfigfallen ermittelt (z.B. eine Falle pro 200 m2 während drei Nächten) und die Tierchen danach wieder in die Freiheit entlassen.

Als “Spielwiese” für das mehrere Jahre dauernde Experiment dienten das Mornington Sanctuary und das Marion Downs Sanctuary, zwei ehemals grosse Rinderfarmen, die heute gänzlich rinderfrei sind, sowie eine angrenzende aktive Rinderfarm, zusammen gut 7’000 km2 (= 1/6 der CH). Das ergab ein riesiges Savannenland mit homogenen geologischen und biologischen Eigenschaften, auf dem ein Teil rinderfrei war, der andere nicht. Die Feuer wurden nach einem ausgeklügelten Muster vom Boden oder aus der Luft gelegt und in der Intensität variiert (früh resp. spät in der Saison).

Savanne

Spinifex-Grasbüschel sind Lebensraum für viele Kleintiere

Die Bewegungen der Katzen aufgrund von Veränderungen in ihrem Habitat werden mit Funksendern aufgezeichnet, die Batterie hält mehrere Monate. Aber wie bringt man wilde Hauskatzen dazu, einen Sender zu tragen? Dies war der unterhaltende Teil des Vortrags. Hugh hat zwei trainierte Hunde, die Katzen aufspüren und sie dann auf einen Baum jagen. Von dort werden sie mit einem Betäubungsgewehr heruntergeholt und in einem Netz aufgefangen. Dieses kurze Video zeigt, wie’s geht. Es dauerte drei Nächte, bis die erste Katze gefangen werden konnte. Insgesamt wurden bisher über 50 Katzen mit einem Sender ausgerüstet.

Katzenjäger (Quelle: australianwildlife.org)

Es stellte sich aber bald heraus, dass die Funkpeilung in dem riesigen Gebiet ungenügend war. Detaillierte grossräumige Bewegungen mussten deshalb via GPS-Tracking ermittelt werden. Also “sammelte” Hugh die Katzen mithilfe ihres Funkhalsbands wieder ein (Methode: ungefähre Peilung–Hund–Baum–Gewehr–Netz), und versah sie zusätzlich mit einem GPS-Halsband. Die Daten, die daraus gewonnen wurden, brachten viele Erklärungen:
  • die Katzen sind territorial mit einem Revier von 0.5 bis 8 km2 
  • sie suchen sich systematisch Jagdgebiete, in denen ihre Beute wenig Deckung hat
  • sie registrieren Brände und suchen mehrere Wochen später die Brandgebiete auf; es ist unklar, ob sie die Brände riechen oder sehen, aber es ist eine erstaunliche Leistung, dass sie sich Wochen später noch daran erinnern. Warum suchen sie die Brandgebiete nicht sofort auf? — Kurz nach dem Brand kommen die Dingos, die auf flüchtende oder versehrte Wallabies aus sind … oder auf Katzen. Erst wenn die Dingos wieder weg sind, getrauen sich die Katzen hin.
  • eine Katze traversiert auf dem Weg zu einem Brand sogar Reviere von anderen Katzen (das gibt zwar Streit, aber es lohnt sich offenbar)
Das genau Jagd- und Fressverhalten konnte Hugh ermitteln, indem er Katzen eine modifizierte GoPro-Kamera umschnallte. Die Batterie hält zwar nur wenige Stunden, aber die Resultate sind extrem aufschlussreich und unterstreichen die Erkenntnis, dass Katzen lieber und erfolgreicher im offenen Gelände jagen. Er konnte sogar zeigen, dass die Katzen gelernt haben, Schlangenarten zu unterscheiden: ungiftige Schlangen verschlingen sie ganz, giftigen trennen sie vorher den Kopf ab.

Patch burning

Zum Schutz der bedrohten kleinen Beuteltiere vor den Katzen, das konnte Hugh mit seiner Arbeit aufzeigen, muss der durch die Vegetation gebildete natürliche Schutz aufrecht erhalten werden: Es muss Zonen geben,
  • die frei von Kühen, Büffeln, Pferden, Kamelen, etc. sind
  • in denen das saisonale patch burning der Aborigines praktiziert wird
  • in denen die Dingos geschützt werden.
Dass die Bestände der bedrohten Tierarten in den letzten 20 Jahren so dramatisch gesunken sind, hat zu Einen damit zu tun, dass das traditionelle Abbrennen immer mehr verhindert wurde, weil man Brände unter allen Umständen verhindern wollte — die Konsequenzen waren heftige wild fires. Zum Anderen, dass auf Rinderfarmen unter Kostendruck die Dichte der Kühe stetig gesteigert wurde bzw. wird, was den Druck auf die Vegetation erhöht.

Samstag, 25. Juli 2015

Der Eisenerzhafen in Port Hedland, WA

Wie 2 Mio t Eisenerz pro Tag aufs Meer kommen • Wie lang ein Zug mit 248 Waggons ist • Was ein Schiffslotse kostet, der mit dem Helikopter an Bord kommt • Wer die Seafarers Mission ist.

Dass Australien einer der grössten Rohstoffproduzenten resp. -lieferanten der Welt ist, habe ich bereits mehrfach erwähnt. Der grösste Exportposten 2013/14 war Eisenerz mit 75 Mia. Dollar (Quelle). Wenn man das so liest, dann ist es nicht mehr als eine Zahl. Was es genau bedeutet, Eisenerz im Wert von 75 Mia. Dollar ausser Landes zu schaffen, kann man in Port Hedland im Nordwesten Australiens erfahren.

Port Hedland (20’000 Einwohner) ist nicht der der einzige Eisenerzverschiffungshafen Australiens, dafür der weltgrösste, und was hier jeden Tag abgeht — im wörtlichen Sinne — ist schier unglaublich. Port Hedland in der heutigen Form ist eine Retortenstadt, die nur existiert, weil sie einen geschützten natürlich Hafen bietet, der über einen (ursprünglich) natürlichen Kanal im Meeresboden auch von den grössten Schiffen angelaufen werden kann. Im Lauf der Zeit wurden die Schiffe grösser, der Hafen mehrmals ausgebaut und der Kanal ausgebaggert. Heute bietet der Hafen 16 Anlegestellen für Erzfrachter, die 200’000 Tonnen Erz transportieren können. Diese Frachter sind bis 330 m lang, bis 60 m breit und haben einen Tiefgang bis über 18 m (beladen). Damit sie während der Ebbe im Hafen nicht auf Grund setzen, sind alle Anlegestellen zusätzlich ausgebaggert.

Annotiertes Satellitenbild (Google Earth)

Verladen wird hier vor allem Eisenerz aus der Mine in Newman, das über eine eigens gebaute Eisenbahnlinie 426 km aus dem Landesinnern herangefahren wird. Pro Stunde fahren mehrere Züge von 2.6 km Länge ein (248 Wagen, ca. 30’000 t Erz). Zusätzlich wird Erz aus näher gelegenen Minen via Road Trains herbeigeschafft. Die Road Trains haben vier Anhänger und sind um die 50 Meter lang. Im Tagesdurchschnitt fahren 320 solche Road Trains ein, das Tagemaximum liegt bisher bei 628 (über 10.5 Stunden verteilt, wäre das einer pro Minute …). Das Erz wird zuerst einmal auf grosse Haufen gekippt und später mit unterirdischen Bändern an die Anlegestellen der Frachtschiffe gefördert.

Beladen

Das Beladen eines Schiffs dauert 24 bis 48 Stunden, wobei die ersten zwei Drittel der Ladung rasch geladen werden (ca. 2.5 Tonnen pro Sekunde = 1 Range Rover), darauf folgt das trimming, bei dem die Wasserlinie des Schiffs so eingestellt wird, dass das Schiff längs und quer gerade liegt. Am Schluss sind zwei Drittel des Schiffs unter Wasser.

Das Schiff ist erst zur Hälfte beladen, die Wasserlinie noch nicht ideal

Alle präsentierten Zahlen sind zwar eindrücklich, aber die grösste Leistung, die hier täglich vollbracht wird, ist, die Riesenschiffe sicher und rasch durch den Tiefwasserkanal in den Hafen hinein- und hinauszubringen. Dies kann nur während der Flutperiode (zweimal täglich) geschehen. Jede Minute zählt, und die Effizienz bestimmt, wie viel Erz während einer Flut den Hafen verlässt. Und das geht so:

  • Weit ausserhalb des Hafens (16 km resp. 42 km) warten die leeren Schiffe vor Anker auf ihren time slot. Bei unserem Besuch waren 38 Eisenerzfrachter in der Warteschlange.
  • Wenn die Zeit gekommen ist, nimmt ein Schiff Kurs auf den mehrere Kilometer langen Tiefwasserkanal. Kurz vor dem Einlaufen in den Kanal wird per Helikopter ein Lotse der Hafenbehörde auf das Schiff abgesetzt — der Kapitän gibt zwar weiterhin die Kommandi an seine Crew, aber der Lotse allein bestimmt den Kurs des Schiffs (ein sehr gut bezahlter Job, übrigens). Das Schiff wird dabei von einem Lotsenboot geführt. 
  • Der Tiefwasserkanal ist zwischen 170 und 300 m breit, macht aber unterwegs ein “Knie”, sodass es mit für die bis 60 m breiten Schiffen äusserst eng wird. Würde ein Frachter beim Ein- oder Auslaufen im Kanal auf Grund gehen, wäre der Kanal für alle Transits blockiert. Es könnte Wochen dauern, bis ein festgelaufenes Schiff frei kommt. 

  • Läuft das Schiff ins Hafenbecken ein, kommen drei weitere Lotsenboote zu Hilfe; der Kapitän ist jetzt arbeitslos. Die Lotsenboote wenden das noch leere Schiff nun im Hafenbecken, sodass sein Bug aus dem Hafen heraus zeigt, und bugsieren es an die Anlegestelle, wo es vertäut wird.


Die Lotsenboote stossen oder ziehen abwechslungsweise, um das Schiff zu drehen

Es kann immer nur ein Frachter im Hafenbecken verkehren. Daher kommt auch der Zeitdruck: während das Wasser hoch genug steht, müssen fünf volle Schiffe den Hafen durch den Tiefwasserkanal verlassen und fünf leere Schiffe vom Ankerplatz auf See durch den Tiefwasserkanal in den Hafen gelotst, gewendet und angelegt werden. Fünf volle Schiffe, das sind 1 Mio t pro Flut oder 2 Mio t Eisenerz pro Tag! Praktisch alle Schiffe nehmen Kurs nach China.

Die Hafengebühren liegen offen: der Lotse kostet für Schiffe der gezeigten Klasse $15’954.45, der Ankerplatz pro Stunde $423.30, das Beladen $1.50 pro Tonne.

Möglich wurde unser Einblick in diese einmal mehr gigantische Operation dank der Seafarers Mission, einer weltweiten Organisation, die Seeleute während ihres Hafenaufenthalts betreut. Denn während das Schiff beladen wird, erhält die Mannschaft in kleinen Gruppen ein paar Stunden Landurlaub. Die Seafarers betreiben ein Shuttleboot, das die Runde durch den Hafen macht, die Seeleute beim Frachter abholt und an Land bringt, wo sie von einem Bus zum Seafarers Centre gefahren werden.


Die Mission ist zwar eine christliche Organisation, kümmert sich aber um die Seeleute aller Glaubensrichtungen und Nationen. In der Mission gibt’s einen Shop mit den Produkten, die die Seemänner zu kaufen wünschen, mit Telefon, Internet, Fernseher, Zeitungen, Games Room, Seelsorge, Dusche, Betten, etc. — alles, was man halt so braucht, wenn man nach ein paar Wochen auf See wieder mal vom Schiff darf.


Bei unserem Besuch war Milchpulver sehr beliebt (gelbe Säcke)

Die Besucher-Tour durch den Hafen von Port Hedland reist auf dem Bus und dem Shuttleboot mit. Die Besatzungen waren an diesem Tag vorwiegend Chinesen, Seefrauen haben wir keine gesehen.


Donnerstag, 16. Juli 2015

Mit Feuer gegen Feuer, Dampier Peninsula, WA

Wie eine Brandschneise aussieht • Was Kimberley Work Boots sind • Wie die Rangers zu Werk gehen • Warum Abbrennen doch nicht ohne ist.

Das Goombaragin Eco Retreat liegt auf der Dampier Peninsula nördlich von Broome auf einem Plateau, das vorne steil ins Meer abfällt. John und Kaitlin haben dort eine kleine Oase aufgebaut und vermieten zwei Safarizelte (mit richtigem Bett, Holzboden, Kühlschrank, Deckenventilator und Terrasse) und zwei Stellplätze fürs Campieren — die Aussicht könnte besser nicht sein. Man erreicht das Anwesen über eine 20 Kilometer lange, teilweise tiefe Sandpiste, die mitten durch den Busch führt.

Aussicht (fast) vom Stellplatz

Zufahrt

Auch das Haus, der Geräteschuppen, die Sanitärnanlage, die Solarfarm und mehrere Autos waren bei unserer Ankunft ein paar Wochen nach dem Ende der Wet Season ringsum von Bäumen, Sträuchern und hohem Gras umgeben. Was das im Kimberley-Gebiet für den Verlauf der Dry Season, habe ich im letzten Beitrag erläutert: es ist ein Frage der Zeit, wann der ganze Zunder Feuer fängt. Da der Bewuchs wertvollen Schatten spendet, ist radikales Abholzen im Bereich von Haus und Infrastruktur keine Option, Brandschutz muss dennoch sein. Das wird mit Brandschneisen gemacht. Eine Brandschneise ist in der Regel ein Karrwegs, entlang dem beidseitig noch ein paar Meter gerodet wird. Die Schneise muss breit genug sein, damit ein Feuer auf der einen Seite nicht auf die andere überspringt. Aber auch eine Brandschneise wuchert im Laufe einer Regenzeit wieder zu. Deshalb wird entlang der Schneise jedes Jahr früh in der Trockenzeit abgebrannt (early-season cool-fire burn-off).

Die halbringförmige Brandschneise vor dem burn-off

Auch Highways sind als Brandschneisen wichtig und werden instand gehalten

John hatte bald gemerkt, dass mich das interessiert, und sogleich war ich nicht nur Zuschauer sondern Teil der Übung. Im Sinne von OHS (operational health and safety, Sicherheit am Arbeitsplatz) zog ich meine Wanderschuhe und lange Kleidung an. “I better wear proper boots”, sagte ich zu John. “Ah, yeah, me too”, entgegnete er und deutete auf seinen Fuss, “Kimberley work boots!” — er trug Flipflops und kurze Hose … Sogleich ging’s zur Sache: mit einer drip torch bewaffnet, die zu gleichen Teilen mit Diesel und Benzin gefüllt und vorne angezündet wird, lief ich auf der drei Kilometer langen Zufahrt zum Haus voraus und legte Feuer, während John aus dem Auto mit einer elektrisch betriebenen Pumpe den Brand in Schach hielt. Offenbar stimmten die Parameter: Holz und Gräser waren noch nicht allzu trocken, es war später Nachmittag und kühlte bereits ab, und es gab praktisch keinen Wind. Das Feuer frass sich viel langsamer als ich vermutet hatte vom Wegrand Richtung grössere Bäume und kam alsbald zum Stillstand. Eher unspektakulär, aber es war ja das Ziel, das leicht brennbare Material loszuwerden und nicht ein Action-Movie zu produzieren.





Das war am Mittag noch anders gewesen, als die Rangers von Beagle Bay — allesamt Aborigines —kamen, und entlang der Brandschneise direkt um Haus und Infrastruktur sowie zwischen Geräteschuppen, Autos und Haus abbrannten. Einer lief mit der drip torch voraus, während vier andere mit Wassersäcken und Handspritze bewaffnet den Feuerkorridor bestimmten. Zeitweise knisterte das Feuer gehörig, die Flammen schlugen mehrere Meter hoch und breiteten sich im Marschtempo aus. Ein Ranger stand an der Motorspritze, deren Motor immer lief, die aber nie zum Einsatz kam. Das Löschwasser war zusätzlich mit einem Brandhemmer versetzt. Alle waren mit richtigen Stiefeln und Overalls ausgerüstet. Einer patrouillierte mit dem Quad, denn zeitweise war der Brand vielleicht einen halben Kilometer lang. Das Augenmerk lag natürlich darauf, dass weder Gebäude noch Material Feuer fingen. Die Rangers wurden aber auch ziemlich schnell aktiv, wenn nach dem generellen Erlöschen der Flammen noch ein Wurzelstock oder die Rinde eines Baum schwelte oder rauchte.


Löschtank 


 Die Brandschneise brennt ;-)



Brandschneise nach dem burn-off. Mission complete.

Im Kimberley-Gebiet gibt es eine amtliche Vorschrift, die verlangt, dass alle burn-offs bis zum 30. Juni beendet sein müssen. Danach ist es oft nicht mehr möglich ist, die gelegten Brände zu kontrollieren, sodass zu grosse Flächen abbrennen, was die beschriebenen negativen Konsequenzen für Pflanzen und Tiere hat. Es kommt aber auch vor dem 30. Juni zu Zwischenfällen: am 25. Mai campierten wir im wunderbaren King Edward River Camp, ein neu angelegtes, grosszügiges Nationalpark-Camp direkt am Fluss (nur Süsswasserkrokodile, also baden erlaubt!). Als wir nach dem Besuch der Mitchell Falls drei Tage später dorthin zurückkehrten, waren Wiese und Büsche verkohlt: das Burn-off-Feuer hatte zwei Tage vorher völlig unerwartet den Fluss übersprungen und dann das Camp in Asche gelegt. Der zuständige Ranger weilte in Kununurra, und nur dank einem geistesgegenwärtigen Camping-Gast, der privat Feuerwehrmann ist, konnten die neuen Toilettenblocks gerettet werden.

Überquerung des King Edward River oberhalb des Camps

Das Camp vor dem Brand — nein, unser Cobb war nicht für den Brand verantwortlich!

Sonntag, 5. Juli 2015

Feuer!

Warum früh in der dry season abgebrannt wird • Was ein wildfire ist • Weshalb man auf die Praktiken der Aborigines zurückkommt • Wie Pflanzen Feuer überstehen.

Die Kimberley-Region in Nordwesten Australiens liegt in der tropischen Zone und kennt damit eine ausgeprägte Regenzeit (“the Wet”, ca. Dezember bis März) und eine Trockenzeit (“the Dry”, ca. April bis November). Während der Regenzeit fahren immer wieder Tiefdruckzellen oder sogar Wirbelsturmtiefs über die Region und entladen sich. Letztere haben wir während unserer Reise auf der Wetterkarte verfolgt. Der bereits früher erwähnte Cyclone “Olwyn” war dieses Jahr der schwerste Sturm, danach gab es zum Mai-Anfang noch einmal ein Sturmtief, und seither ist Trockenzeit. Das heisst, dass bis im November oder sogar Dezember nicht mehr mit Regen zu rechnen ist. Am Morgen geht die Sonne auf (kurz nach 6 Uhr), scheint den ganzen Tag — bei ca. 35°C Höchsttemperatur —, dann geht sie wieder unter (kurz vor 17 Uhr). Und das jeden Tag. Dadurch trocknet die anfangs sehr grüne Vegetation nach und nach aus, bis alles dürr ist wie Zunder.

Ein “ganz normaler” Buschbrand am Strassenrand

Die Frage ist deshalb nicht, ob es zu brennen beginnt, sondern wann und wo. Die Brandursache können Blitze sein, menschliche Unachtsamkeit im Umgang mit Feuer oder Brandstiftung. Für letztere werden oft die Aborigines verantwortlich gemacht, die es offenbar nicht lassen können, brennende Zündhölzer ins dürre Gras werfen (mehr dazu weiter unten). Je später in der Trockenzeit das Feuer ausbricht, umso heftiger und heisser ist es (late dry season wildfire), und umso schneller und auf grösserer Fläche verbreitet es sich. Das ist zum Einen einfach “nature at work”, zum Anderen ist es aber verheerend für Pflanzen und Tiere, die danach oft viele Jahre brauchen, um sich wieder zu erholen. Sind Arten ohnehin schon unter Druck, z.B. wegen Land- oder Viehwirtschaft oder wegen Raubtieren (z.B. wilde Hauskatzen), dann kann ein extremes Feuer Pflanzen- oder Tierarten auslöschen.

Die Aborigines haben vor Tausenden von Jahren schon herausgefunden, dass sie der Natur — und sich selbst — helfen können, wenn sie früh in der Trockenzeit räumlich eng begrenzte Feuer legen (engl. burn off). Ein Teil der Pflanzen ist dann nämlich noch grün, sodass ein solcher Brand nicht sehr heiss wird (early dry season cool fire), meist die kühle Nacht nicht überdauert und deshalb nicht sehr weit kommt. Es verbrennt nur das dürre Material (fuel). Die meisten Tiere, die in dem Brandgebiet leben, können sich verkriechen oder auf die nicht behelligten Nachbarparzellen flüchten. Da ein grosser Teil des brennbaren Materials bereits verbrannt ist und somit auch nicht weiterwächst, ist ein Feuer an diesem Ort gegen das Ende der Trockenzeit wenig wahrscheinlich, weniger heftig oder kommt dort sogar ganz zum Erliegen.

Kurz nach dem burn-off (Mornington Wilderness Sanctuary)

Echse auf der Flucht vor dem Feuer

Auf dem abgebrannten Land verlieren die Tiere einen Teil ihrer Deckung und konnten von den Aborigines so leichter gejagt werden, resp. sie können mit Feuer gezielt getrieben und dann erlegt werden. Zudem fördert Abbrand stets neuen Pflanzenwuchs, was wiederum Tiere anzieht, z.B. Kängurus, die dann dem Speer zum Opfer fallen. Ganz uneigennützig war ihr land management via Brandstiftung also nicht. Über die Jahrtausende hat dieses fire management die Vegetation von grossen Teilen Australiens nachhaltig verändert. Als Überlebensstrategie sind hier viele Pflanzen zu einem hohen Grad feuerresistent geworden:
  • sie brennen sehr schlecht und verbrennen deshalb nur aussen (z.B. sehr dicke Baumrinde)
  • sie erholen sich schnell (z.B. sie lassen abgebrannte Äste fallen, neue Äste spriessen direkt aus dem Stamm oder dem Wurzelstock)
  • sie brauchen das Feuer, damit sich die Samen aus ihren Früchten lösen. Während diese Pflanzen also selbst verbrennen—und die konkurrierenden Pflanzenarten um sie herum ebenfalls eliminiert werden—, öffnet die Hitze die Früchte, die Samen fallen heraus und spriessen beim nächsten Regen auf dem nährstoffreichen Aschenoden. Die neue Pflanze braucht aber oft ein paar feuerfreie Jahre, bis sie selbst Samen produzierten kann. Brennt es zu oft, stirbt die Linie aus; ist das Feuer zu heiss, verbrennen auch die Samen. In beiden Fällen entsteht dann die Gefahr von Bodenerosion, was wiederum bedeutet, dass die Regeneration Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern kann oder gar nie mehr stattfindet.
Dicke Baumrinde schützt den Kern

Äste spriessen direkt aus dem Stamm

Spinifex-Gras spriesst nach dem Brand links vom Weg (rechts vom Weg: kein Brand)

Als in den 1970er-Jahren der Preis für Schafwolle fiel, wurden viele Schaffarmen aufgegeben und das Land sich selbst überlassen. Zudem wollten Umweltverbände und Nationalparkbehörden Gebiete vor Feuern schützen — und haben dies auch erfolgreich getan. In beiden Fällen war das Ergebnis, dass sich über die Jahre riesige Mengen von brennbarem Material angesammelt haben. Irgendwann schlug dann der Blitz ein oder sprang ein Funke und resultierte in verheerenden, grossflächigen Feuern (z.B. Black Saturday in Victoria, 2009), in denen ganze Landstriche vernichtet wurden, Häuser und Städte verbrannten, Menschen und Tiere umkamen.

Obwohl man immer noch grosse Bemühungen unternimmt, dass niemand von Feuer überrascht wird, und dass keine Sach- oder Personenschäden entstehen, wird heute übermassiger fuel build-up wieder aktiv verhindert. So kam man auf die alte Aboriginal-Technik zurück und brennt früh in der Trockenzeit prophylaktisch und kontrolliert über grosse Gebiete hinweg ab. Das Feuer wird dabei von Hand oder mit Helikoptern gelegt und überwacht. Man erzeugt kleine, nicht zusammenhängende Brandgebiete. Diese Arbeit wird häufig von Aborigines ausgeführt oder angeleitet. Da eine bestimmte Parzelle dadurch nur alle paar Jahre einmal abbrennt, können sich Pflanzen und Tiere über mehrere Jahre und Regenzeiten hinweg regenerieren.

Das Feuer war so intensiv, dass selbst die dicksten Eukalypten nicht überlebten

Aus den Samen keimen schon bald neue Pflanzen

Die Aborigines waren nicht sesshaft und sind Bränden ausgewichen und danach weitergezogen. Der moderne Mensch baut Häuser und Infrastruktur, die er vor dem Feuer schützen will. Wie ich das im Kimberley gemacht habe :), beschreibe ich im nächsten Beitrag.