Dienstag, 12. Oktober 2010

Im Outback — Teil 2: Überschwemmungen?



Im Teil 1 über das Outback hatte ich versucht, grob die geografischen Grenzen zu umreissen. In diesem Teil möchte ich näher auf den Wasserhaushalt des südöstlichen Outback eingehen, da hier einige überraschende Zusammenhänge bestehen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass das australische Outback mit rotem Sand, Trockenheit und Hitze assoziiert wird, denn ein Blick auf die Klimazonen von Australien zeigt, dass ein grosser Teil des Gebiets Wüste ist (im Diagramm orange markiert; beige bezeichnet übrigens Grasland, doch wer dabei an saftige grüne Alpwiesen denkt, liegt die meiste Zeit daneben).


Als kleine Denksportaufgabe überlege man sich an dieser Stelle kurz, was eigentlich eine Wüste ausmacht.

Das Niederschlagsdiagramm (1965-1995) spricht natürlich dieselbe Sprache, je weisser umso trockener:

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So erhält die Region beim roten Ring im Jahresschnitt ca. 140 mm Niederschlag, während die Verdunstung 2500 mm beträgt. Eine gebräuchliche Definition von Wüste ist, dass die Verdunstungsrate im langjährigen Mittel grösser ist als der Niederschlag. Nun erstaunt es aber doch, dass genau unter dem roten Ring der Lake Eyre liegt, ein Salzsee, der sich alle paar Jahre mal mit Wasser füllt und ein Viertel so gross ist wie die Schweiz.

Noch ein Diagramm: Höhe über Meer (die feine türkis Linie bezeichnet 0m, schwarz ist unter dem Meerespiegel, rot knapp drüber, blau bereits einige hundert Meter hoch).


Man erkennt auf dem Bild unter anderen, dass der Lake Eyre unter dem Meeresspiegel liegt, während die nördlich bis östlich angrenzenden Gebiete höhere Lagen sind, und die reichen Niederschläge somit wie in einem Trichter zum tiefsten Punkt fliessen. Das ist das sogn. Lake-Eyre-Becken.


Nun möchte ich aber nicht, dass ein falsches Bild entsteht: die meiste Zeit herrscht im Lake-Eyre-Becken extreme Trockenheit (drought) und der See ist nur noch eine weisse Salzkruste. Wie wir jetzt gelernt haben, bedeutet drought nicht keine Niederschläge, es bedeutet keine richtige Überschwemmung. Es braucht sehr viel Wasser, bis etwas im Lake Eyre ankommt. Dieses Jahr war es wieder einmal so weit.

Bereits im März und April dieses Jahres regnete es im südlichen Queensland sehr viel, und die Niederschläge hielten an bis im August, was die Flüsse anschwellen liess. Der Cooper Creek war stellenweise bis zu 60 km (sic!) breit, und seit 20 Jahren fuhr erstmals wieder die kleine Autofähre über den Fluss ... Zusätzlich gab es östlich vom Lake Eyre Anfang Septemer einige starke Gewitter, sodass ziemlich alle Strassen unpassierbar waren.

 Nowhere to go in Innamincka ...

... ausser vielleicht ins Pub



Warum wir trotz einiger Routenänderungen nicht traurig über das viele Wasser waren, werde ich im nächsten Teil zeigen.

Fortsetzung: Teil 3

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