Freitag, 18. März 2011

Home, sweet (?) home ...

Nun bin ich schon wieder fast zwei Wochen zurück in der Schweiz. Aus der Erfahrung früherer Auslandabwesenheiten wusste ich, dass das Einleben problemlos sein und mich der Alltag rasant wieder "schlucken" würde. Beides ist nicht so eingetroffen.

 Ein australischer Soldat in Europa erkundigt sich nach Zuhause
(Postkarte, War Memorial Museum, Canberra)

Es begann am Flughafen, wo ich von Jeannine und Dölf abgeholt wurde. Bereits im Parkhaus fuhr Dölf auf der vermeintlich "falschen" Seite. Tja, 30'000 km Linksverkehr schüttelt man halt nicht in "the blink of an eye" ab.


Es dauerte zwei, drei Tage, bis ich mich als Beifahrer wieder daran gewöhnt hatte. Selbstfahren war von Anfang an kein Problem. Aber zu Fuss in der Stadt hält es immer noch an: im Coop schneide ich die Linkskurve ums Gestellt und stosse fast mit einem korrekt entgegenkommenden Wägeli zusammen; in der Stadt weiche ich entgegenkommenden Fussgängern instinktiv nach links aus, wobei ein Zusammenstoss ebenfalls vorprogrammiert ist.

Im anfänglichen jet lag fielen mir speziell am Morgen früh die Kirchenglocken auf: 05:00, 05:15,  05:30 ... Kirchenglocken gibt's in Australien kaum, sicher nicht viertelstündlich

Als wir noch in Melbourne wohnten, sagten uns Freunde und Bekannte oft, "ach, was können wir Euch von der Schweiz sagen? Hier passiert nicht viel". — Das ist natürlich nicht war. Seit Dezember verkehrt das Tram Bern West (und es gibt sogar ein Buch dazu!). Das Musikhaus Jecklin hat sein Geschäft auf Zürich konzentriert.


In unserem Quartier stehen drei neue Wohnblöcke. Die West- und Nordautobahn um Bern ist eine riesige Baustelle. Berns öV-Netz hat neue Billetautomaten (endlich!) erhalten. Die Schanzenpost wird umgebaut und befindet sich temporär an der Effingerstrasse. Das Vatter Biogeschäft am Bärenplatz wird demnächst schliessen. Die NZZ kostet neu Fr. 3.70. In der Migros gibt's neue Terra Chips "Züri Geschnätzlets". An der Marktgasse mahnt ein neues, freundliches Velo-Parkverbot:


Vieles ist natürlich geblieben: die meisten Geschäfte schliessen immer noch um 18:30. Züri West nehmen am Morgen ihren Kaffee immer noch in der Markthalle. Mario Torriani und Reeto von Gunten moderieren immer noch bei DRS3; Bernhard Schär leider auch. In der Migros kriege ich einen Garantieschein für das Aussenthermometer (Fr. 3.80). Nach dem Wiedereinlösen unseres VW kam per Post zuerst die Aufforderung zur Fahrzeugprüfung, erst zwei Tage später kam der Fahrzeugausweis. Die Gesichter der Leute, die durch die Stadt gehen, sind eher grau und angespannt; alle marschieren fokussiert auf ein unsichtbares aber unheimlich wichtiges Ziel zu. Mobil telefonieren ist immer noch gleich teuer. Der Springbrunnen auf dem Bundesplatz wird methodisch und gründlich auf die neue Saison vorbereitet.


Die Schweiz, und insbesondere Bern, ist klein geworden. Das fiel mir 1996 nach sechs Monaten Südamerika nicht auf, obwohl wir zwei Wochen in der 13-Mio-Stadt Buenos Aires verbracht hatten. Ich beginne zu verstehen, warum Touristen denken, zwei Tage reichten aus, um die Schweiz zu sehen. Wir haben manchmal die Tendenz, uns wichtiger zu nehmen als wir wirklich sind. (Natürlich reichen zwei Tage NICHT aus!).

Dafür, dass mich der CH-Alltag nicht so schnell verschluckt, ist gesorgt, da ich noch nicht zu arbeiten begonnen habe. Nach 13 Jahren hatte ich per Ende 2009 bei Paranor gekündigt. Vielleicht gehe ich wieder zurück, aber ich will mir jetzt ein paar Wochen Zeit lassen zu überlegen, was ich will, und zu schauen, welche Optionen es gibt. Bis jetzt gaben das Wiedereinrichten und die vielen Fotos genügend zu tun. Das allererste Problem, das ich zu lösen hatte, war der Internet-Zugang aus unserer Wohnung— und wie informiert man sich dazu am besten? Übers Internet ...

Und dann habe ich am Mittwoch noch einen Fehler gemacht: die Batterie unserer elektronischen Personenwaage hatte den Geist aufgegeben. Nach dem Einlegen einer neuen Batterie nahm ich sogleich einen Funktionstest vor. Jetzt habe ich mir ein Fitnessprogramm verabreicht.

Kommentare:

  1. witziger blogg oli! ein kritischer zeitgeist schadet nie - aber nicht das ganze noch zusätzlich erschweren, gell. das glas ist häufig auch halb voll (bevor es dann ganz geleert wird...). wüsnche dir ein flotter wiedereinstieg mit der chance, dich in verschiedenen rollen zu erleben. merci schon mal für deine zügelhilfe & stay tuned, beat

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  2. Lustig zu hören was sich alles so innerhalb eines Jahres verändert.
    Ich habe dir noch eine grosse Veränderung.
    Gehe doch mal ins Wankdorf, Die Tramschienen des "Nünitrams" gehen jetzt schon bis zur Brücke.
    Ja richtig, sie steht noch nicht ganz, aber halbwegs schon. Beim Kreisel hinter der Bernarena entsteht eine neue Brücke.
    Grüessli Lexä

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