Donnerstag, 16. Juli 2015

Mit Feuer gegen Feuer, Dampier Peninsula, WA

Wie eine Brandschneise aussieht • Was Kimberley Work Boots sind • Wie die Rangers zu Werk gehen • Warum Abbrennen doch nicht ohne ist.

Das Goombaragin Eco Retreat liegt auf der Dampier Peninsula nördlich von Broome auf einem Plateau, das vorne steil ins Meer abfällt. John und Kaitlin haben dort eine kleine Oase aufgebaut und vermieten zwei Safarizelte (mit richtigem Bett, Holzboden, Kühlschrank, Deckenventilator und Terrasse) und zwei Stellplätze fürs Campieren — die Aussicht könnte besser nicht sein. Man erreicht das Anwesen über eine 20 Kilometer lange, teilweise tiefe Sandpiste, die mitten durch den Busch führt.

Aussicht (fast) vom Stellplatz

Zufahrt

Auch das Haus, der Geräteschuppen, die Sanitärnanlage, die Solarfarm und mehrere Autos waren bei unserer Ankunft ein paar Wochen nach dem Ende der Wet Season ringsum von Bäumen, Sträuchern und hohem Gras umgeben. Was das im Kimberley-Gebiet für den Verlauf der Dry Season, habe ich im letzten Beitrag erläutert: es ist ein Frage der Zeit, wann der ganze Zunder Feuer fängt. Da der Bewuchs wertvollen Schatten spendet, ist radikales Abholzen im Bereich von Haus und Infrastruktur keine Option, Brandschutz muss dennoch sein. Das wird mit Brandschneisen gemacht. Eine Brandschneise ist in der Regel ein Karrwegs, entlang dem beidseitig noch ein paar Meter gerodet wird. Die Schneise muss breit genug sein, damit ein Feuer auf der einen Seite nicht auf die andere überspringt. Aber auch eine Brandschneise wuchert im Laufe einer Regenzeit wieder zu. Deshalb wird entlang der Schneise jedes Jahr früh in der Trockenzeit abgebrannt (early-season cool-fire burn-off).

Die halbringförmige Brandschneise vor dem burn-off

Auch Highways sind als Brandschneisen wichtig und werden instand gehalten

John hatte bald gemerkt, dass mich das interessiert, und sogleich war ich nicht nur Zuschauer sondern Teil der Übung. Im Sinne von OHS (operational health and safety, Sicherheit am Arbeitsplatz) zog ich meine Wanderschuhe und lange Kleidung an. “I better wear proper boots”, sagte ich zu John. “Ah, yeah, me too”, entgegnete er und deutete auf seinen Fuss, “Kimberley work boots!” — er trug Flipflops und kurze Hose … Sogleich ging’s zur Sache: mit einer drip torch bewaffnet, die zu gleichen Teilen mit Diesel und Benzin gefüllt und vorne angezündet wird, lief ich auf der drei Kilometer langen Zufahrt zum Haus voraus und legte Feuer, während John aus dem Auto mit einer elektrisch betriebenen Pumpe den Brand in Schach hielt. Offenbar stimmten die Parameter: Holz und Gräser waren noch nicht allzu trocken, es war später Nachmittag und kühlte bereits ab, und es gab praktisch keinen Wind. Das Feuer frass sich viel langsamer als ich vermutet hatte vom Wegrand Richtung grössere Bäume und kam alsbald zum Stillstand. Eher unspektakulär, aber es war ja das Ziel, das leicht brennbare Material loszuwerden und nicht ein Action-Movie zu produzieren.





Das war am Mittag noch anders gewesen, als die Rangers von Beagle Bay — allesamt Aborigines —kamen, und entlang der Brandschneise direkt um Haus und Infrastruktur sowie zwischen Geräteschuppen, Autos und Haus abbrannten. Einer lief mit der drip torch voraus, während vier andere mit Wassersäcken und Handspritze bewaffnet den Feuerkorridor bestimmten. Zeitweise knisterte das Feuer gehörig, die Flammen schlugen mehrere Meter hoch und breiteten sich im Marschtempo aus. Ein Ranger stand an der Motorspritze, deren Motor immer lief, die aber nie zum Einsatz kam. Das Löschwasser war zusätzlich mit einem Brandhemmer versetzt. Alle waren mit richtigen Stiefeln und Overalls ausgerüstet. Einer patrouillierte mit dem Quad, denn zeitweise war der Brand vielleicht einen halben Kilometer lang. Das Augenmerk lag natürlich darauf, dass weder Gebäude noch Material Feuer fingen. Die Rangers wurden aber auch ziemlich schnell aktiv, wenn nach dem generellen Erlöschen der Flammen noch ein Wurzelstock oder die Rinde eines Baum schwelte oder rauchte.


Löschtank 


 Die Brandschneise brennt ;-)



Brandschneise nach dem burn-off. Mission complete.

Im Kimberley-Gebiet gibt es eine amtliche Vorschrift, die verlangt, dass alle burn-offs bis zum 30. Juni beendet sein müssen. Danach ist es oft nicht mehr möglich ist, die gelegten Brände zu kontrollieren, sodass zu grosse Flächen abbrennen, was die beschriebenen negativen Konsequenzen für Pflanzen und Tiere hat. Es kommt aber auch vor dem 30. Juni zu Zwischenfällen: am 25. Mai campierten wir im wunderbaren King Edward River Camp, ein neu angelegtes, grosszügiges Nationalpark-Camp direkt am Fluss (nur Süsswasserkrokodile, also baden erlaubt!). Als wir nach dem Besuch der Mitchell Falls drei Tage später dorthin zurückkehrten, waren Wiese und Büsche verkohlt: das Burn-off-Feuer hatte zwei Tage vorher völlig unerwartet den Fluss übersprungen und dann das Camp in Asche gelegt. Der zuständige Ranger weilte in Kununurra, und nur dank einem geistesgegenwärtigen Camping-Gast, der privat Feuerwehrmann ist, konnten die neuen Toilettenblocks gerettet werden.

Überquerung des King Edward River oberhalb des Camps

Das Camp vor dem Brand — nein, unser Cobb war nicht für den Brand verantwortlich!

Kommentare:

  1. Spannend. Die Drip-Torch sieht aber immer noch nicht so nach Sicherheit aus...

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    1. Das ist natürlich ein bisschen in ihrer Eigenart als Flammenspender begründet. Schiefgehen kann allerdings nicht viel: die Flüssigkeit tropft aus dem langen Hals, wenn man ihn nach unten hält, und sonst ist sie eher wie eine Petrollampe.

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